Das komplette Handbuch, den Prüferleitfaden, die Prüfkarten sowie einzelne Dateien zu den verschiedenen Behinderungsgruppen finden Sie unter folgendem Link:

Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen

Das Deutsche Sportabzeichen hat in den Jahren 2010-2012 einen umfangreichen Reformprozess durchlaufen, um im Jahr 2013 zum 100-jährigen Bestehen mit einem reformierten Sportabzeichen an den Start zu gehen. Auf Grundlage der Reformgedanken wurde auch das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen überarbeitet. Folgende Punkte wurden bei der Reform durchgeführt:

1. Dreistufigkeit
Die individuelle Leistungsfähigkeit wird auf den drei Leistungsstufen Bronze, Silber und Gold geprüft.

2. Einteilung der Disziplinen in vier Gruppen
Die vier Gruppen wurden nach den motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination aufgestellt.

3. Sportartspezifische Leistungsabzeichen
Wenn sportartspezifische Leistungsabzeichen durch Menschen mit Behinderungen abgelegt werden, werden diese analog der Vorgaben des DOSB für die Anerkennung einer Gruppe anerkannt.

4. Nachweis der Schwimmfertigkeit
Die Schwimmfertigkeit ist Voraussetzung für die erfolgreiche Abnahme des Deutschen Sportabzeichens. Diese gilt analog den Vorgaben des DOSB auch für die Abnahme von Menschen mit Behinderungen. Menschen mit oder ohne Behinderung, die nicht schwimmen können, können das Deutsche Sportabzeichen nicht erwerben. Bei der ersten Abnahme des Deutschen Sportabzeichens für Menschen mit Behinderungen muss die Schwimmfertigkeit immer nachgewiesen werden, da sich durch den Eintritt einer Behinderung die Schwimmfertigkeit geändert haben könnte. Der Nachweis der Schwimmfertigkeit erfolgt auf einem vom DOSB entwickelten Formular.

5. Nachweis über die Behinderung
Der Nachweis über die Behinderung kann nun auch von einem Prüfer und nicht nur von einem Arzt eingetragen werden.

6. Sporttauglichkeit
Die Feststellung der Sporttauglichkeit von Menschen mit Behinderungen für das Deutsche Sportabzeichen durch einen Arzt wurde gestrichen. Dadurch haben Menschen mit Behinderungen die gleichen Zugangsmöglichkeiten zum Deutschen Sportabzeichen wie Menschen ohne Behinderungen, die auch keine Sporttauglichkeit nachweisen müssen. Hierdurch soll die Eigenverantwortung des Teilnehmers erhöht werden.

7. Fachärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung
Die fachärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung wird zukünftig nur noch bei kardiologischen Erkrankungen verlangt. Die bisherige Regelung, dass Menschen mit TEP diese vorzeigen müssen, wurde gestrichen. Diese Zielgruppe ist weiterhin von Sprungübungen ausgeschlossen, hat aber innerhalb der vier Gruppen ausreichend Alternativen.

8. Entwicklung Disziplinenkatalog
Die bisherigen Disziplinen wurden den neuen Gruppen zugewiesen und anschließend für die verschiedenen Behinderungsgruppen überprüft. Dabei wurden einzelne Disziplinen komplett aus dem Programm gestrichen, weil sie beim DOSB auch nicht mehr vorhanden waren (z.B. Diskuswurf) oder weil sie kaum mehr gemacht wurden (z.B. Schedebrettfahren). Um eine Durchlässigkeit zu gewährleisten wurden die Disziplinen des DOSB übernommen und für die verschiedenen Behinderungsgruppen überprüft. So wurde häufig die Disziplin beibehalten, dafür aber z.B. die Streckenlänge angepasst. Für den Fall, dass Disziplinen nicht möglich waren, wurden Alternativ-Disziplinen aufgeführt (z.B. Rollstuhlfahren statt Laufen) oder auch komplett andere Disziplinen gewählt (z.B. Fußballweitstoß für Doppelarmbehinderungen im Bereich Kraft). So konnte erreicht werden, dass in allen Gruppen mindestens zwei meistens aber vier bis sechs Disziplinen möglich sind. Als eine Ausdauerdisziplin wurde das Kegeln als Möglichkeit für alle Behinderungsgruppen beibehalten.


9. Entwicklung Leistungskatalog
Die Werte für die Leistungsanforderungen in den verschiedenen Disziplinen wurden beim DOSB anhand statistischer Verfahren ermittelt, so dass die Leistungsfähigkeit in den motorischen Grundfähigkeiten in der Entwicklung des Alters abgebildet wird. Diese Grundstruktur wurde auch bei den Leistungsanforderungen für Menschen mit Behinderungen beibehalten. Für die verschiedenen Disziplinen und Behinderungsgruppen wurden Faktoren festgelegt, mit denen die Leistungsanforderungen von Menschen mit Behinderung in Relation zu den ohne Behinderungen berechnet wurden. Dadurch wurde unter anderem auch eine Vergleichbarkeit innerhalb der Behinderungsgruppen erreicht. Bei der Festlegung der Faktoren wurde versucht, dass die bisherigen Leistungsanforderungen ungefähr den neuen Silberwerten entsprechen. Hierdurch wird zum einen der Zugang zum Deutschen Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen etwas erleichtert, aber auch der Ansporn ein höheres Level zu erreichen, erhöht.

10. Behinderungsgruppen
Im Zuge der Überarbeitung des Handbuches wurde deutlich, dass durch die Dreistufigkeit und die Einführung von neuen Altersklassen der Umfang des Handbuches erheblich erhöht wurde. Daher wurden Überlegungen angestellt, einzelne Behinderungsklassen zusammenzulegen. So wurden die bisherigen Untergruppen I und II bei den Behinderungsklassen B, C, D und E zusammengefasst, da hier die Unterschiede eher gering waren. Weiterhin wurden die bisherigen Leistungsanforderungen in den Untergruppen der Behinderungsklassen G und H vergleichen und festgestellt, dass diese teilweise nur sehr gering von einander abwichen. Daher wurden die bisherigen Untergruppen G2/G3, G4/G5, G6/G7, H2/H3, H4/H5 und H6/H7 zusammengefasst. Bei den Leistungsanforderungen wurde darauf geachtet, dass die bisherigen Anforderungen der „schwerer“ behinderten Gruppe zur Ermittlung der Faktoren genommen wurden. Im Bereich der Sinnesbehinderungen wurde ein neue Gruppe F3 eingeführt, in der Hörbehinderungen mit gleichzeitigem Nachweis von Gleichgewichtsstörungen zuzuordnen sind. Hörbehinderungen ohne Gleichgewichtsstörungen sind in der Behinderungsgruppe A einzuordnen, da kein erkennbarer Funktionsausfall der Arme und Beine vorhanden ist.